Am Oster­samstag wurde der Hocken­heimring zur Bühne für ein ganz beson­deres Kapitel in der Geschichte des BMC Racing Teams. Beim 1000-Kilometer-Rennen stellte sich das Team in der Klasse Superbike mit der Start­nummer #32 einer neuen, inten­siven Heraus­for­derung – und erlebte Motor­sport aus einer völlig neuen Perspektive.

Bereits am Freitag ab 13 Uhr traf das Team in Box 3 ein. Für viele war es ein ungewohntes Bild: Statt als Sport­warte an der Strecke zu stehen, fand man sich plötzlich mitten im Geschehen eines Rennteams wieder. Der Tag war geprägt von Aufbau, Papier­ab­nahme und techni­scher Abnahme – und von einer Mischung aus Aufregung, Vorfreude und einem Hauch Chaos. Alles war neu, alles musste sich erst finden. In Teammee­tings wurden Abläufe besprochen, Aufgaben verteilt und erste Routinen geschaffen.

Die drei Fahrer des Teams könnten dabei unter­schied­licher kaum sein – und genau das machte ihre Stärke aus:
Billy Hilpert ging auf einer Triumph Daytona 600 an den Start und brachte als mehrfacher Champion sowie erfah­rener Rennfahrer Ruhe, Übersicht und Tempo ins Team. Er übernahm den Rennstart um 11:30 Uhr und führte das Team von Start­platz 8 souverän ins Rennen.
Oliver Hermstedt pilotierte eine Suzuki GSXR 1000 und überzeugte als erfah­rener Rennfahrer mit Einsätzen in der Triumph Challenge, im RegioCup, bei den 300 Meilen sowie in verschie­denen Langstre­cken­rennen mit Konstanz und Übersicht – und brachte das Motorrad schließlich ins Ziel.
Bruno Lopes war auf einer Yamaha R6 unterwegs. Als erfah­rener Trackday-Fahrer meisterte er seine Stints mit großem Einsatz und entwi­ckelte sich im Laufe des Rennens sichtbar weiter.
Bemer­kenswert: Alle drei Fahrer sind Mitglieder des BMC – und Oliver sowie Bruno stehen norma­ler­weise als Sport­warte an der Strecke.

Hinter ihnen stand ein Team, das mit jeder Minute enger zusam­men­wuchs und in seine Rollen hineinwuchs:

Als Teamma­na­gerin war Sarah Scheu­ermann das Herzstück der Organi­sation – ständig in Bewegung, koordi­nierend, verbindend. Sie fungierte als Schnitt­stelle zwischen allen Bereichen, organi­sierte Abläufe, behielt den Überblick und packte gleich­zeitig selbst mit an: beim Fahrerwechsel, beim Zurück­schieben der Motor­räder in die Box, bei der Kommu­ni­kation über den Discord-Channel und überall dort, wo gerade Hilfe gebraucht wurde.

An der Boxen­mauer sorgten Steven Kochmann und Thomas Haas gemeinsam mit Melanie Mesa und Jeremy Miguel Berbner für den direkten Draht zu den Fahrern. Sie stoppten die Runden­zeiten, analy­sierten den Rennverlauf und kommu­ni­zierten über die Boxen­tafel wichtige Infor­ma­tionen an die Strecke – ein ruhiger, konzen­trierter Gegenpol zum Trubel in der Box.

Beim Fahrerwechsel war Präzision gefragt: Klaus Scheu­ermann übernahm den Trans­pon­der­wechsel – eine scheinbar kleine, aber entschei­dende Aufgabe. Gemeinsam mit Dominik, Jeremy und Sarah unter­stützte er zudem beim Tanken und bei techni­schen Abläufen wie dem Räderwechsel.

Für die Versorgung des Teams sorgten Dominik Schroth und Melanie Mesa. Dominik übernahm dabei auch die Rolle des Grill­meisters und stellte sicher, dass das Team trotz der langen Renndauer gestärkt blieb – ein oft unter­schätzter, aber wichtiger Teil eines erfolg­reichen Renntages.

Waranya Pluem­kesorn hielt die beson­deren Momente des Tages fest. Mit Fotos und Videos sorgte sie dafür, dass die Emotionen, die Dynamik und die kleinen Geschichten am Rande nicht verloren gehen.

Ein kurzer, inten­siver Moment ließ das Pulsniveau des gesamten Teams noch einmal deutlich steigen: Durch eine Zeitstrafe von 30 Sekunden entstand plötzlich spürbarer Trubel in der Box. Entschei­dungen mussten schnell getroffen werden, Stimmen wurden lauter, die Anspannung greifbar. Für einen Augen­blick wurde aus konzen­trierter Routine ein hitziges Durch­ein­ander – doch genau das gehört zum Motor­sport dazu. Und so, wie es bei echten Teams ist, wich die Aufregung später einem gemein­samen Lachen über diesen Moment, der rückbli­ckend einfach Teil einer unver­gess­lichen Geschichte wurde.

Auch abseits des Kernteams war die Unter­stützung spürbar: Der Vater von Billy stand ihm mit techni­scher Hilfe und Erfahrung zur Seite, während die Familien von Billy und Bruno vor Ort mitfie­berten. Zahlreiche Besucher sowie Kollegen aus dem Sport­war­teteam nutzten die Gelegenheit, das Team zu besuchen und anzufeuern – ein starkes Zeichen des Zusammenhalts.

Das Rennen selbst verlief lange stabil im Mittelfeld. Das Team konnte sich über viele Runden hinweg auf einer soliden Position halten. Kleinere technische und strate­gische Heraus­for­de­rungen führten jedoch dazu, dass ungeplante Boxen­stopps notwendig wurden und die ursprüng­liche Strategie angepasst werden musste. Dadurch verlor das Team einige Plätze, bewies jedoch Flexi­bi­lität und Zusam­menhalt, um jede Situation zu meistern.

Nach 1000 inten­siven Kilometern brachte Oliver Hermstedt das Motorrad ins Ziel. Platz 28 von 37 Teams spiegelt dabei nur einen Teil der Geschichte wider. Im Parc Fermé wurde der Zieleinlauf gemeinsam gefeiert – mit Stolz, Erleich­terung und einem Lächeln, das mehr sagte als jede Platzierung.

Was bleibt, ist mehr als ein Rennergebnis: Es ist die Erfahrung, Motor­sport von der anderen Seite erlebt zu haben. Es ist das Gefühl, als Team gewachsen zu sein, sich gegen­seitig getragen zu haben und gemeinsam über sich hinaus­ge­wachsen zu sein.

Das BMC Racing Team blickt mit Dankbarkeit auf diesen Tag zurück – insbe­sondere gegenüber dem Präsidium, das diese Teilnahme ermög­licht hat – und mit Hoffnung nach vorn. Denn eines ist sicher: Dieses Kapitel fühlt sich nicht wie ein Abschluss an, sondern wie ein Anfang.

Text: Sarah Scheu­ermann | BMC Hockenheim — Beirat Nonsporting Events | 
Bilder: Bernd Etzkorn | BMC Hockenheim | Sass MotorBlog